Eine neue Fliegenschnur muß her

Die letzten Jahre habe ich beim Fischen hauptsächlich eine Guideline Presentation Evolve verwendet. Wie üblich, meinen die Hersteller jedoch alle ein-zwei Jahre irgendwas Neues auf den Markt schmeißen zu müssen. Nicht selten wünscht man sich ein altes Produkt zurück, weil der Nachfolger schlichtweg schlechter ist (Beispiel Guideline High Water vs. High Water Evolve).

In meinem Fall scheint es gar so zu sein, daß Guideline die Presentation gleich komplett eingestellt hat. Klar war, ich wollte wieder die gleiche oder wenigstens eine sehr ähnliche Schnur haben. Ich habe also zunächst mal alle Schnüre der entsprechenden Marke rausgesucht, die einen vergleichbaren Aufbau besitzen.

Aufbau der verglichenen Fliegenschnüre

Guideline gibt bei seinen Schnüren einmal das Gesamtgewicht der Keule, sowie die Längen der einzelnen Abschnitte an. Als Keule werden dabei die ersten drei Abschnitte bezeichnet.

NameKlassen-
angabe
Gesamt [m]front [m]belly [m]rear [m]Gewicht [g]
Presentation Evolve #68,755,102,001,6012,5
Control 3.0#58,755,102,001,8011,0
Control 3.0#68,755,102,001,8013,0
Tactical / (Tactical Camo)#59,255,502,101,6511,0
Bullet 2.0#59,255,501,951,8012,0
Tactical / (Tactical Camo)#69,255,502,101,6512,5
Bullet 2.0#69,255,501,951,8014,0
Elite#610,605,503,601,5014,0
Distance#612,106,503,602,0015,0
Quelle: www.guidelineflyfish.com

Aus meiner Sicht scheint die Guideline Control 3.0 der Presentation Evolve am ähnlichsten zu sein. Auffällig ist allerdings, daß die Längenangaben bei der Control 3.0 fehlerhaft sein müssen (siehe Summe der einzelnen Längenangaben).

Nichtsdestotrotz hat mich meine Suche neugierig auf die anderen Schnüre mit sehr ähnlichem Aufbau wie die Presentation gemacht. So findet man unter den Schnüren mit minimal längerer Keule die Tactical und die Bullet, deren Aufbau sich tatsächlich nur geringfügig unterscheidet.

Zur Unterstützung bei der Einordnung der Schnüre können die AFTMA-Klassen hilfreich sein:

AFTMA-Klassen bezogen auf das Schnurgewicht der ersten 9,1 Meter

Für Klasse #6 werden laut Tabelle 10,4 Gramm empfohlen. Man muß allerdings im Hinterkopf behalten, daß diese Klassifizierung etwas in die Jahre gekommen ist und eigentlich kaum noch vermag, die modernen Schnurprofile vernünftig einzuordnen. Der Grund ist relativ einfach. Für die Klassifizierung nach AFTMA, werden die ersten 9,1 Meter Schnur gewogen und anschließend in eine Klasse eingeteilt. Hat man eine DT-Schnur der Klasse #6, dann kann man beim Bewegen von 12 Metern Schnur etwa davon ausgehen, daß die Rute 13-14 Gramm bewegen muß. Bei dieser Schnurlänge bewegt sich die Rute etwa in ihrem Komfortbereich. Eine kurzkeulige Schnur bringt das gleiche Gewicht eventuell schon bei 8-10 Metern Fliegenschnur auf die Waage, fügt allerdings bei größeren Schnurlängen auch nicht mehr wesentlich mehr Gewicht hinzu (nur noch die dünne Runningline).

Gehen wir zurück zur Auswahl der Schnüre. Ich für meinen Teil werfe an meinen Gewässern selten mehr als 10 Meter Fliegenschnur aus. Ich möchte also die Rute bei Schnurlängen von ca. 5 – 10 Metern in ihrem Komfortbereich wissen. Das bedeutet also, daß ca. 7,5 Meter Schnur das empfohlene Gewicht der Klasse #6 (10,4 Gramm) bereitstellen sollen. Jetzt kommt man ein wenig in den Bereich des Schätzens, denn der Herrsteller informiert ja lediglich über das Gewicht der Keule. Bei einer 8,7 Meter langen Keule (Presentation / Control 3.0) würde ich also statt der 10,4 Gramm etwa 12 Gramm Keulengewicht erwarten. Die Control in den Klassen #5 / #6 liegen ziemlich genau 1 Gramm abweichend nach oben bzw. unten. Die Tactical und Bullet haben eine etwas längere Keule, das Gewicht der Bullet liegt allerdings nochmal deutlich über dem der Tactical (zumindest in der gleichen Klassenangabe).

Ich für meinen Teil habe mich für die Tactical #6 entschieden, da ich hin und wieder dachte: „…so’n bißchen längere Keule wär’ schon nett…“, es hätte aber genausogut die Bullet in Klasse #5 werden können. Die Unterschiede sind vermutlich kaum der Rede wert.

Für Anfänger, die ähnliche Gewässer befischen bzw. ähnliche Anforderungen haben, bietet sich die Bullet oder auch die Control 3.0 passend zur „Rutenklasse“ an. Dank der auffälligeren Farbgestaltung lassen sich zudem auch die Wurfabläufe besser kontrollieren.

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