Das richtige Anglermesser

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Anforderungen

Nicht jeder Fliegenfischer bzw. Angler hat die gleichen Vorstellungen davon, wie sein Erlebnis am Wasser aussehen sollte oder könnte. Manch einer möchte mal eben nach der Arbeit ein paar Würfe machen und hält sich dabei strikt an Catch and Release, andere wie z.B. dieser Genießer auf Youtube haben auch mal Lust, direkt am Wasser einen frisch gefangenen Fisch zu essen.

Auch auf die Gefahr hin, langweilig zu wirken aber mit den Messern die ich hier vorstelle läßt sich weder eine Zombieattacke abwehren, noch wird mir das SEK ihretwegen die Türe eintreten. Mit den Messern, die ich hier vorstelle, kann man aber eine Angelschnur durchschneiden, einen Fisch töten sowie anschließend ausnehmen, und mit den stabileren Exemplaren läßt sich sogar etwas Feuerholz herstellen. Es sind also Werkzeuge und keine Krokodilstöter.

Taschenmesser

Schweizer Messer (Standardausführung)

Das Schweizer Messer ist sozusagen das Smartphone der Jungs, die vor 1980 aufgewachsen sind. Auch wenn dieses Offiziersmesser zweifelsfrei ein Klassiker ist, liegt sein Schwerpunkt doch eher in den Bereichen „alltäglicher Begleiter“ oder leichter Outdoortätigkeiten. Man kann damit eine Salami – oder dank des Korkenziehers – eine Flasche Wein unter Freunden aufteilen. MacGyver zeigt, was noch alles möglich ist, Angeln gehört jedoch nicht dazu, denn dazu ist mir das Messer einfach zu fummelig. Wenn ich z.B. einen Fisch verwerten möchte, muß das zügig gehen. Mit nassen Fingern die Klinge einzig an dieser kleinen Nagelmulde fassend auszuklappen dauert mir hingegen einfach zu lange.

Opinel Filetiermesser

Auf den ersten Blick scheint das Opinelmesser das perfekte Anglermesser zu sein, ist es doch dank seiner langen und feinen Klinge ideal für das Filetieren von Fischen geeignet.

Ich für meinen Teil muß aber leider feststellen, daß das Filetieren wirklich das Einzige ist, was man mit diesem Messer vernünftig machen kann. Hinzu kommt, daß ich einen Fisch eigentlich nie direkt am Wasser filetiere, wenn ich es denn überhaupt mache. Aus diesem Grund gehört für mich ein Filetiermesser in die Küche und nicht in die Angeltasche.

Einhandmesser

Das Schweizer Messer gibt es seit einiger Zeit auch als Einhandversion, soll heißen es läßt sich einhändig öffnen. Noch etwas besser funktioniert dies allerdings bei den Messern von Spyderco, die Position und Größe der Fingermulde läßt zwar bereits ein Messer mit kleiner Klinge (vgl. mit dem Schweizer Messer) martialisch aussehen, das einhändige Öffnen funktioniert dafür aber ganz hervorragend.

Ich persönlich bin ein großer Fan der Spyderco-Messer, da sie nicht nur leicht zu bedienen sind, sondern dank ihrer einfachen Bauweise auch schnell und einfach zu reinigen sind. Zudem gibt es die Griffe in verschiedenen Farben, wodurch ein heruntergefallenes Messer leichter wiederzufinden ist.

Feststehende Messer

Wer mehr Wert auf Stabilität legt und dafür auf den Tragekomfort eines Taschenmessers verzichten kann, der wird zu einer feststehenden Klinge tendieren.

Bark River – Bird & Trout

Explizit für das Zerlegen von Kleintieren hergestellt, musste dieses Messer hier einfach erwähnt werden. Das Bird & Trout ist vom Prinzip her ein kleines Küchenmesser (Officemesser, Schälmesser), wird allerdings mit einer klassischen Lederscheide geliefert.

Das Messer macht den Job, für den es gedacht ist wirklich gut. Einen Fisch ausnehmen, vielleicht ein paar Zutaten schnippeln und den Fisch direkt am Wasser genießen, dafür ist das Messer hervorragend geeignet. Als alleiniges Messer während eines mehrtägigen Aufenthaltes in der schwedischen Wildnis ist es allerdings weniger geeignet. Aufgrund der gerade mal 1,8mm dicken Klinge ist es für gröbere Arbeiten schlichtweg zu instabil.

Bark River – Gunny Hunter

Ein echter Allrounder ist das Gunny Hunter. Ähnlich wie das Bird & Trout hat auch das Gunny eine Klingenlänge von knapp unter 10cm. Dank seiner Klingenstärke von 4mm ist es aber durchaus auch für etwas härtere Einsätze zu gebrauchen. Wer in seinem Outdoorurlaub nicht nur Fische zerlegen möchte, sondern auch das notwendige Feuerholz zum Garen des Fanges herstellen muß, ist mit diesem Messer bestens ausgestattet.

Fazit

Ich bevorzuge Messer, auf die ich am Wasser schnell Zugriff habe, die sich leicht reinigen lassen und die mehr als nur eine einzige Aufgabe erfüllen können. Wenn ich beispielsweise am oder im Wasser irgendwelche alten Netze oder Schnüre um Äste gewickelt sehe, dann möchte ich diese nicht mit einem filigranen Messer wie dem von Opinel wegschneiden, das würde die Lebenszeit des Messers arg verkürzen. Auch das Befreien von Tieren, wenn diese sich in irgendwelchen Hinterlassenschaften verfangen haben, ist mit einer „kontrollierbaren“ Klinge garantiert entspannter.

Für den normalen Ausflug ans Wasser nehme ich gerne ein Spyderco-Taschenmesser mit. Die Dinger sind trotz der verhältnismäßig kurzen Klinge relativ stabil und eignen sich für fast alle anglertypischen Aufgaben.

Auf mehrtägigen Kanutouren, bei denen üblicherweise auf offenem Feuer gekocht wird, muß auch mal etwas Holz zerkleinert werden, hier hat sich die letzten Jahre das Bark River Gunny als sehr zuverlässiges Messer erwiesen.

Anmerkung

Ich habe hier keine Messer aus Deutschland vorgestellt, obwohl ich das gerne getan hätte. Ich musste allerdings in den letzten Jahren mehrfach feststellen, daß sich viele deutsche Firmen auf ihrem Ruf: „Made in Germany“ ausruhen und bei weitem nicht mehr die Qualität liefern, die die aufgerufenen Preise rechtfertigen.

Erst vor zwei Jahren bestellte ich online ein Jagdmesser eines Solinger Spezialisten auf diesem Gebiet. Als das Messer dann bei mir ankam, war ich mehr als nur enttäuscht, offensichtlich handelte es sich um ein Montagsmodell. Der Händler kam glücklicherweise aus der Ecke in der ich wohne und so bekam ich die Möglichkeit das Messer direkt vor Ort umzutauschen, mir sozusagen aus hunderten Messern des Lagerbestandes ein Neues auszusuchen. Leider jedoch festigte sich dadurch mein Negativurteil nur noch mehr. Unter all den Messern hatten weit mehr als 90% einen asymmetrischen Anschliff, schlecht angepasste Hirschhornschalen oder andere Fertigungsfehler. Seitdem ist diese Traditionsmarke bei mir unten durch.

Bei Küchenmessern habe ich mehrfach ähnliche Erfahrungen gemacht. Als positive Ausnahmen seien hier die Firmen Wüsthof (Solingen) und Dick (Bad Salzuflen) erwähnt, die tatsächlich sehr gute Qualität liefern.

Bei den amerikanischen Herstellern spielt meiner Ansicht nach tatsächlich soetwas wie der Nationalstolz eine wesentliche Rolle. Den Leuten dort ist es wirklich wichtig lokal zu produzieren und sie würden schlechte Qualität als eine Art Ehrverletzung gegenüber der Firma, den Mitarbeitern und dem Produktionsstandort betrachten. Nicht umsonst bieten viele amerikanische Hersteller eine Garantie auf Lebenszeit.

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